Hat eigentlich jemand schon bemerkt oder einfach nur aufgefallen, daß wir heute mehr denn je den falschen Götzen nachtrauern? Damit will ich nur sagen, wir gedenken immer mehr der falschen Bilder. Während die Menschen, denen wir wirklich gedenken sollten, weil diese Opfer der Zeit wurden, damit wir heute so leben können, wie wir nun einmal mit einer Selbstverständlichkeit leben, mit Vorsatz aus ideologischen Gründen immer stärker mißachten und entwürdigen, diffamieren und diskreditieren, machen wir es uns sehr einfach und nehmen statt diesen Menschen, jene Täter als gedenkwürdige Vorbilder, von deren Verbrechen niemand redet, weil sie auf der Siegerseite standen.

 

Nun, jeder hat das Recht nicht an die Opfer der Vergangenheit zu denken, aber keinesfalls ein Recht Menschen daran zu hindern, diese tätlich anzugreifen, zu diffamieren und diskreditieren, zu mißachten und entwürdigen, die nun einmal dieser Menschen gedenken. Auch dann, wenn die Art und Weise des Gedenkens den Menschen nicht paßt, die frei von jedem Charakter und Bildung glauben sie müßen die Welt vor den Geistern der Vergangenheit retten, welche sie eigentlich erst herbeirufen durch deren eigenes Verhalten.

 

Jedem Friedensbewegtem sei in das Stammbuch geschrieben, wer die Toten in der Vergangenheit mit den heutigen Denkweisen beurteilt und verurteilt und diese Toten, ob Opfer oder Täter, deswegen mißachtet, weil sie nicht unseren heutigen Vorstellungen entsprachen, der oder die möge mir dann erklären, warum. Es ist nun einmal so, daß diese Toten erst den Weg frei gemacht haben, daß wir heute in der Freiheit leben können, die diese selbst zu ihrer Zeit nicht wie wir heute hatten. Und jede Form von Mißachtung, tötet die Opfer der Zeiten ein weiteres Mal. Da die Menschen nur ihre eigene Zeit beurteilen können, wie sie sich fühlen und was sie in ihrer Zeit machen konnten und wie und warum welche Entscheidung so gefallen ist, wie sie getroffen wurde, so können wir heute niemals die Vergangenheit entsprechend korrekt beurteilen. Und wir haben auch absolut kein Recht eine Verurteilung der Vergangenheit uns anzumaßen.

 

Aber wir heute in der Gegenwart haben genauso Opfer zu beklagen, die nicht nur durch Systeme sich ergeben, sondern durch menschliche Fehler, wie Unfälle und Katastrophen, zu Stande kommen. Zunehmend werden jedoch durch die niedrigen menschlichen Eigenschaften immer mehr Opfer zu beklagen sein, die wir durch unser Schweigen zu verantworten haben. Allen diesen Opfern ist nur Eines gemeinsam, sie sind nicht mehr am Leben. Ursachen dafür sind so vielfältig, daß wir uns nicht nur um die Ursachen kümmern sollen, sondern darüber nachdenken, wie wir dazu stehen und wie wir aller dieser Opfer gedenken.

 

Während wir gerne fordern, daß dieses und jenes getan wird oder auch nicht getan wird, denke ich, es wäre durchaus angebracht, statt zu fordern, daß wir für die Opfer Wälder der Opfer pflanzen. Bäume, die uns Alle überleben, vorausgesetzt, die Dummheit der gegenwärtigen und nachkommenden Entscheidungsträger und anderer Interessen fällen die kaum gewachsenen Bäume nicht, könnte so durch die Bäume symbolisch diese Opfer weiterleben und zudem auch den nachkommenden Generationen dadurch deren Leben erhalten helfen. Bäume sind die Lungen der Welt, Wälder sorgen für den Sauerstoff, entsorgen die genutzte Luft und wandeln diese wieder zu Sauerstoff und so weiter. Bäume sind der Atmen für alle Lebewesen. Genauso trifft dies auf die gesamte Pflanzenwelt zu. Und wir brauchen keine normierte Natur, sondern eine lebende Vielfalt der Natur.

 

Solange wir jedoch die Natur zerstören und dies als Fortschritt akzeptieren, wie erst stehen wir dann den Opfern der menschlichen Dummheit gegenüber? Ursachen dafür, daß es soviele Opfer gibt sind ebenfalls vielfältig. Menschliches Versagen, Unfälle, Katastrophen, wie auch Kriege und immer mehr durch den sogenannten Terrorismus. Und ganz besonders, was als Terror bezeichnet wird, ist nur ein Vorwand dafür, daß andere Grundrechte außer Kraft gesetzt werden kann, weil der Begriff Terror mit Taten nichts zu tun hat, sondern das Empfinden der Menschen durch ein Verhalten bezeichnet. Zum Beispiel, wenn Frauen in der Nacht Angst haben alleine von Besuchen heimzugehen, weil sie der Gefahr ausgesetzt sind überfallen zu werden, dann ist hier Terror gegeben. Also Terror beginnt genaugenommen schon im Kleinsten, was wir eigentlich schon so gewohnt sind, daß wir dies schon nicht mehr als Terror bezeichnen.

 

Aber Terror ist auch, wenn Weltanschauungen anderen Weltanschauungen das Recht absprechen eigene Meinungen zu haben und dies durch tätliche Zerstörung fremden Eigentums ausdrücklich zeigen. Wieviele Bezirke in den großen Städten sind zu einer Zivilisationswüste geworden, weil hier diverse Gruppen aktiv Terror, also Angst, erzeugen? Und wer denkt an die Opfer dieses Terrors? Sicher geben die Aktionen weit mehr her, die spektakulär und medienwirksam Zerstörungen im großen Ausmaß zeitigen. Aber es ist und bleiben gewöhnliche kriminelle Taten. Und dadurch, daß gerade heute sehr schnell von Terrorismus gesprochen wird, gibt man den Tätern eine Aufmerksamkeit, die schon deswegen unwürdig ist, weil damit die Opfer neuerlich zu Opfern werden, aber die Täter eine Bedeutung erlangen, die diesen nicht zusteht.

 

Deshalb sind Wälder der Opfer schon eine Angelegenheit, welche sowohl zum Gedenken an die Opfer eine angemeßende Bedeutung darstellt, wie auch uns selbst entgegenkommt. Aber das wird jeder für sich selbst entscheiden müßen. Ob für die Toten von Beslan oder Überlingen, sowie von den Amokläufen in den Schulen und so weiter, Gründe gäbe es genügend Bäume für diese Opfer zu pflanzen. Und ebenso werden sich ständig neue Gründe ergeben. Nur pflanzen werden wir Lebenden es müßen.