Die berühmte deutsche Alleenstraße von der Reichenau im Bodensee bis hinauf in den hohen Norden zur Insel Rügen dürfte sicherlich noch in Fragmenten vorhanden sein. Aber es gibt noch immer Alleenstraßen, die sich durch die Landschaft ziehen, aber leider nicht mehr in jenem Ausmaß, wie es einstmals war. Wahrscheinlich sind noch mehr alte Römerstraßen im Originalzustand vorhanden, als Alleenstraßen. Diese wurden dem Autoverkehr geopfert, weil schließlich nicht die Autofahrer auf die Bäume Rücksicht nehmen müßen, sondern die Bäume nur dem Autoverkehr im Wege stehen.

 

Nun ja, hier die Frage zu stellen, wie lange es dauern würde, wenn neue Alleenbäume gepflanzt werden würden, bis diese die Größe haben, wie zum Zeitpunkt des Fällens, möchte ich mir selbst ersparen. Aber trotzdem ist es sinnvoll neue Alleenstraßen anzupflanzen und bestehende soweit als nur möglich einzube-ziehen. Auch wenn diese Alleenstraßen nicht mehr dem Originalverlauf folgen sollten, so kann dennoch so nahe wie machbar neue Alleenstraßen angepflanzt werden. Es muß nicht für den Autoverkehr dienen, es sollen damit auch Reit- und Fahrwege geschaffen werden.

 

Wer sagt, daß gerade in der heutigen Zeit nicht wieder Reisemöglichkeiten geschaffen werden sollen, wie sie zur Zeit Goethes gegeben hat? Statt durch die Landschaft zu rasen in einem Tempo das Land kennen zu lernen, welches dem Menschen entspricht, wäre durchaus für jeden Einheimischen genauso zu empfehlen, wie Touristen. Damit würde auch erreicht werden können, daß sowohl die biologische Landwirtschaft einen Schub erhalten, wie viele Arbeitsplätze entstehen können. Pferde brauchen Pflege und Futter, wie Kutschen ebenso. Und es braucht Handwerker, die das Zaumzeug herstellt und wartet, es braucht Stationen, wo die Reisenden übernachten und essen können und so weiter.

 

Doch Alleenstraßen haben einen viel größeren Aspekt zu bieten. Alleenstraßen verbinden Europa, sie en-den nicht an den Grenzen, sie können durch den gesamten Kontinent führen. Doch selbst der Pferdedung kann sinnvoll verwendet werden, weil dieser für die Champignonzucht eingesetzt werden kann. Und Weg-meister sind das ganze Jahr über beschäftigt, damit die Alleenbäume gepflegt und die Wege in Ordnung gehalten werden. Also für die Arbeitsbeschaffung ein Gedanke, welche durchaus Sinn macht. Es ist nicht die Wirtschaft der Maßstab, sondern das Leben der Menschen.

 

Da aus welchen Gründen auch immer, den Menschen eingeredet wird, welche Berufe angeblich zukunfts-trächtig sind, dürfen wir uns nicht wundern, daß die Arbeitslosigkeit zunimmt und nicht abgebaut wird. Denn nur die vielen Handwerker und andere Berufsrichtungen als Arbeit und Beschäftigung, schaffen auch die Vollbeschäftigung. Doch da davon ausgegangen wird, welchen Nutzen für die Abschöpfung, sprich, wie sehr der sogenannte Staat Geld den Menschen abnehmen kann, die Zielausrichtung ist, kann daher nur den Menschen die Unzufriedenheit eingepflanzt werden, damit scheinbar gut bis bestbezahlte Positionen attrak-tiv werden.

 

Dabei kann sehr wohl eine Vollbeschäftigung erreicht werden, zu 100% wird es sowieso nie sein, aber unter die 10% Marke ließe sich das Problem senken, wenn der Staat auf der einen Seite verzichtet Steuern und Abgaben in dem derzeitigen Ausmaß auf die Arbeit und Beschäftigung den Menschen aufzubürden und auf der anderen Seite Arbeit und Beschäftigung nicht mehr nach wirtschaftlichen Interessen des Wachstums und Exporte als Priorität zu sehen. Vollbeschäftigung ergibt sich automatisch dann, wenn die Menschen nicht mehr normiert werden, sondern sich durch Gestaltung frei entfalten können. Daß dabei ein klarer Rahmen vorgegeben werden muß, welcher derart weit und breit ist, steht außer jedem Zweifel. Und Ge-staltung kann nicht durch Gesetze und Vorschriften erreicht werden, sondern ausschließlich und nur durch Ideen und Vorstellungen.

 

So ist nicht der Sinn und der Nutzen das Kriterium, sondern das Leben als solches das Ziel. Arbeit kann im-mer nur ein Teil des Lebens sein und nicht der Zweck. Obwohl das eine idealistische Ansicht ist, daß es so ist beweist die Wirtschaft. Denn es ist die Wirtschaft selbst, die zeigt, daß es so nicht funktionieren kann, wie sie es nach den Lehrbüchern und selbst aufgestellten Gesetzen macht. Es ist ein Pyramidenspiel, welches zwar verboten ist, aber nur für die Menschen, nicht für die Wirtschaft. Es ist nun einmal so, daß in ein Glas nur so viel hinein geht, wie das Glas faßen kann. Und wer würde in ein Lokal gehen und einen teuren Wein bestellen, wenn der Ober die ganze Flasche in ein Viertelliter Glas füllt? Also ein Viertel ist im Glas und der Rest verschüttet auf dem Tisch.

 

Deshalb ist der Gedanke wieder Alleenstraßen anzupflanzen zwar das Eine, aber das Andere ist, daß damit ja nicht nur historische Wege neu belebt werden oder werden können, sondern, daß damit Vielen auch eine Beschäftigung gegeben würde. Es ist auch nicht so, daß einfach nur Löcher in den Boden gegraben werden, in die die Bäume kommen, sondern die damit verbundene Pflege und Erhaltung, vom Bewässern bis zur Baumpflege gibt es viel zu tun. Und in der Verbindung mit den Reit- und Fahrwegen kämen noch weitere Aufgaben dazu. Ob Raststationen für die Kutschen und Reiter, denn es brauchen auch die Pferde Pausen und Futter, wie die Menschen Verpflegung und Beherbergung, die Wege müßen in Ordnung gehalten wer-den und so weiter.

 

Alles kann hier nicht angeführt werden, weil ich selbst nicht weiß, wie viele Details hier zuzurechnen sind, aber es ist nicht nur das, was sichtbar und vorstellbar ist, es sind die sich ergebenden Arbeiten, die mehr als nur ein Gedanke, eine Idee, es wäre ein ganzes System. Und das kann auch nicht in wenigen Jahren umgesetzt werden, es wird sehr lange dauern. Zudem sollen diese Alleenstraßen ja auch die einzelnen Länder und damit den Kontinent verbinden. So bleibt es zumindest als Anregung zum Nachdenken immer noch gut genug. Ob sich jedoch dieser Gedanke auf einen fruchtbaren Boden entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Nur, wer nicht sät, kann niemals ernten.