Die Wahrnehmung der Welt ist bei jedem Menschen anders. Es ist das individuelle Empfinden, was diese Wahrnehmung die Menschen unterscheidet. Sicher sind es nicht die großen unterschiedlichen Empfindun-gen, sondern die unmerklichen feinen Unterschiede, die es auch erst möglich machen, daß sich die Men-schen, je nach Empfinden, zu gleichgearteten Gruppen, Gemeinschaften oder auch Gesellschaften zusam-menfinden und zusammenschließen.

 

Ein großer Teil der Menschen sucht nach einer kollektiven Masse, in welche sich das einzelne Individuum einfügen kann, ein anderer Teil der Menschen will die freie Gesellschaft, in welcher das Individuum sich selbst entwickeln kann, ohne deswegen die anderen Individuen zu stören. Und wieder ein Teil will eine Zwischenstufe haben, in welcher sowohl das Individuum aufgeht und trotzdem die Freiheit hat, sich zu entwickeln. Also ein Ganzes als Interessenswesen.

 

Natürlich ergeben sich Gemeinschaftsformen, wie Staaten, aus sehr vielen Faktoren. Zuerst einmal aus der Entwicklung und der Geschichte, die die Menschen miteinander verbinden. Dazu gehört auch die Sprache. Aber gerade die Sprache ist der wesentlichste Teil einer Gemeinschaft, die die Menschen zusammenhält, auch bei allen Gegensätzen. Denn mit der Sprache denken und verständigen wir uns. Und Mißverständnisse wird es immer geben, weil selbst in der eigenen Sprache sich die Menschen viel zu oft nicht verstehen.

 

So ergibt es sich aus dieser Situation heraus, daß zwar die Menschen in ihrer Sprache sich Begriffen bedie-nen, aber dennoch keine Ahnung und Vorstellung haben, was die Begriffe bedeuten, woher sie kommen und wie sie richtig angewendet werden. Schon am Begriff Demokratie stellt sich heraus, daß das Verständ-nis kaum gegeben ist. Da Demokratie aus dem Altgriechischen stammt und in der Antike sich dieser Begriff in der Bedeutung des Wortes angewandt wurde, steht im römischen Reich der Begriff des Populismus gegenüber und hat die gleiche Bedeutung.

 

Wir reden von der Populärmusik, Populärliteratur und so weiter und nehmen bei Populismus gleich eine Abwehrhaltung ein, weil diese Anwendung in das Negative gezwängt wurde. Und was das Verständnis von Demokratie und Populismus angerichtet wurde, weil das Verständnis eben nicht gegeben ist, kennen wir Alle. Denn Demokratie oder auch Populismus ist nur ein Gerüst, aber kein Fertiggericht, wie eine Pizza, die nur heiß gemacht werden muß. Und so hat dieses Gerüst jedem totalitären System den Weg geebnet und die Tore geöffnet.

 

Wie in der Vergangenheit, wird genauso heute daran gearbeitet, daß die Demokratie denen der Weg be-reitet wird, die das Gerüst abschaffen wollen, damit sie ihre abstrusen Vorstellungen Allen aufzwingen kön-nen. Und am leichtesten geht dies dadurch, wenn dieses Gerüst aufgebläht wird, damit das Wesen der Demokratie nicht mehr bei den Menschen liegt, sondern von einer zum Verhältnis der Größe des Gebietes liegenden kleinen Gruppe überlassen wird.

 

Dabei gäbe es mit einem einfachen Umdenken und der grundsätzlichen Änderung des Systems eine innere Stabilisierung der Demokratie, auf welcher dann auch die ganz großen Gebilde errichtet werden können. So ist zuerst einmal die persönliche Verantwortung der Politiker unauflöslich festzuschreiben. Das heißt, die Politiker sind für die Konsequenzen haftbar zu machen, die sie beschließen. Dann sind sämtliche Projekte, für die die Steuerzahler aufkommen müßen, einer zwingenden Volksabstimmung zu unterziehen. Das heißt, für die Projekte auf Gemeindeebene die Gemeindebürger, auf Landes- und Regionalebene die Betrof-fenen und so weiter.

 

In Folge dessen ist die Steuerhoheit auf die Gemeindeebene zurück zu führen. Nach einem festen Auf-teilungsschlüßel sind von der Gemeindeebene aus die Steuern zu verteilen. Auch sind die Sozialabgaben zu trennen. Denn Steuern sind von den Unternehmen zu zahlen, weil Steuern die Allgemeinbedürfnisse ab-decken und Sozialabgaben von den Menschen, weil Sozialleistungen Individualleistungen sind. Dazu siehe Graphik Finanz- und Steuermittelaufteilung und Sozialabgabenaufteilung. Das betrifft zudem auch sehr viele andere Bereiche, von der Maut angefangen bis zu den Fernseh-  und Radiogebühren. Denn, wenn die Wirtschaft nach Leistung bezahlt, dann muß dies auch auf alle anderen Bereiche zutreffen. Und wer schreit immer sofort nach der Gleichheit vor dem Gesetz?

 

Aber das sind nur grundsätzliche Vorstellungen in eine Richtung, die es erst einmal zu einem europäischen kompatiblen System machen läßt. Denn welches Land, wie hoch was belastet, bleibt den Nationalstaaten überlaßen, aber das System wäre einheitlich. Eine konkrete Ausarbeitung eines solchen Systems würde sowieso eine Diskussion benötigen, welche mit Personen geführt werden müßte, die nicht an ideologisch-weltanschaulichen Ketten und Fesseln gefangen sind. Doch als Anstöße zum Nachdenken reicht es zunächst einmal. Es gehören dazu weit mehr Gedanken, wie zurück zu den Kleinstaaten, zur Regionalisierung und so weiter. Aber das braucht wieder als Grundlage, daß es erst einmal zur Identität und Einheit in Europa kommt, der nicht ein Einheitsbrei, sondern die Vielfalt eines Kontinents ergibt und nur die Mindestanfor-derungen an Alle stellt.

 

So sehr die EU Europa in den Abgrund zu stoßen versucht, alles Bisherige ist auch nicht schlecht, wenn wir gewillt sind die Vorteile wahrzunehmen und zu nutzen, dann überwinden wir auch die Nachteile. Ohne dabei die nationalen Eigenheiten zu opfern. Denn die Gefahren, die Europa bedrohen kommen von außen und wenn Politiker dies nicht zur Kenntnis nehmen, dann verdienen die Menschen in Europa anscheinend nichts Besseres. Trotzdem hat es Europa nicht verdient, daß so unser Kontinent zerstört wird.